Heute war also der Tag… an dem abgerechnet wurde. 😉
Das Mitarbeitarbeiterinnengespräch stand an. Am Montag hatte ich ja noch zwischen tür und Angel einen Fragenkatalog in die Hand gedrückt bekommen, damit ich mich darauf vorbereiten konnte.
Gestern Abend, als ich kurz die Fragen durchging, bat ich nur darum, beim Gespräch einen guten Tag zu haben, sonst kämen dezent doofe Antworten von mir (und ja, gleich vorweg, ich konnte es mir nicht nehmen lassen auf Frage Nr. 3 mit „Ja, Geschirrspüler einräumen.“ zu antworten. 😀 ).
Ich war schon etwas nervös, obwohl ich ganz genau weiß, dass meine Chefin eine sehr gute Führungskraft ist und einen nicht fertig macht, sondern einfach sagt was ansteht. Was es wiegt, das hat es auch… und bisher bin ich doch immer gut mit ihr ausgekommen. 🙂
Es war auch total angenehm. Wir haben viel gelacht und konstruktiv miteinander gesprochen. Mir war es wichtig, auch ein Feedback zu bekommen, schließlich ist dies meine erste 1. Klasse und ich habe das Gefühl, es ginge schon viel, viel mehr!
Verwundert war ich dann, als mir gesagt wurde, dass pädagogisch, sozial und methodisch alles in bester Ordnung sei (nein, das war noch nicht so überraschend) und man merke, dass ich mir eben viele Gedanken zum „Drumherum“ mache, z.B. dass ich in der Jausenpause etwas vorlese, mit gelungener Stimmanpassung an die Hexe; dass die Kinder als Belohnung Bohnen bekommen und diese gegen Kleinigkeiten eintauschen können; dass es für den Lesepass einen sichtbaren Zuwachs am Lesewurm mittels PlayMais gibt; oder dass gewisse Kinder einfach so sein dürfen wie sie sind und sich keiner darüber beschwert sondern es so angenommen wird.
Das war für mich schon alles so selbstverständlich… das tat gut, dass mir das von außen gesagt wurde… vor lauter Selbstverständlichkeite wurde mir das schon „zu wenig“ (wie bereits weiter oben erwähnt… es geht noch mehr…).
Ich wurde allerdings auch angeregt, kritisch zu hinterfragen, ob ich die weniger erfreulichen Ereignisse der letzten Schuljahre hinter mir lassen konnte, oder ob es mich noch hin und wieder einholt. Ehrlicherweise muss ich da gestehen, dass ich mich auf Grund einer ähnlichen Klassenkonstellation doch manchmal dabei ertappe, in alte Gedankenmuster zu rutschen. Aber… danke meiner Zusatzausbildung bin ich dabei, das gänzlich aufzulösen. 😉
Es ergab sich auch die Möglichkeit zu erwähnen, dass ich die Präsenz meiner Chefin brauche. Sie war mir in den letzten Wochen einfach zu wenig im Haus und das merkte man deutlich an meiner Laune. Sie formulierte es so nett mit: „Weißt, deine spitzen Bemerkungen hatten dann sogar noch ein Eishauberl auf…“ 😀 Wir einigten uns aber darauf, dass ich es ihr immer gleich und direkt sage, wenn ich ein Problem hätte.
Auf meine Frage, was es denn noch zu verbessern gäbe, meinte sie nur: „Stell dich als Person mehr in den Mittelpunkt.“ So nach dem Motto, schau auf dich, weil wenn es dir gut geht, dann passt auch der Unterricht. ❤
Um nun auch die eventuelle Neugierde zu befriedigen, sind hier noch die 12 Fragen (nach Gallup), zu denen ich interviewt wurde:
- Weiß ich was von mir am Arbeitsplatz verlangt wird?
- Habe ich alle Materialien und Werkzeuge, die ich brauche um meinen Job gut zu machen?
- Habe ich in der Arbeit jeden Tag einmal die Möglichkeit das zu tun, was ich am besten kann?
- Habe ich in den letzten 7 Tagen Aufmerksamkeit oder Lob bekommen für eine gute Arbeit?
- Kümmert/Interessiert sich mein/e Vorgesetzte/r oder jemand anderer bei der Arbeit um mich/für mich als Person?
- Gibt es jemanden der/die meine berufliche/fachliche Weiterentwicklung ermutigt?
- Zählt meine Meinung am Arbeitsplatz?
- Gibt mir das Unternehmen(-sleitbild) das Gefühl, dass mein Job wichtig ist?
- Ist die Qualität der Arbeit ein Wert für meine ArbeitskollegInnen?
- Habe ich zumindest eine/n gute/n Freund/in in der Arbeit?
- Habt in den letzten 6 Monaten jemand mit mir über meine Arbeitsfortschritte gesprochen?
- Habe ich im letzten Jahr die Möglichkeit gehabt in meiner Arbeit zu lernen und persönlich zu wachsen?
Ergänzend muss ich noch sagen, dass es als Lehrerin doch etwas leichter ist, diese Fragen zu beantworten (oder nur für mich?). Schließlich ist der Job so vielseitig, dass man sicher einmal am Tag das tut, was man am besten kann. Aufmerksamkeit und Lob bekommt man häufig auch von den Schülerinnen, bei uns im Kollegium herrscht so ein super Zusammenhalt, dass es immer jemanden gibt, der sich um einen kümmert. Manche Kolleginnen wachsen einen natürlich mehr ans Herz, sodass man „mehr“ mit ihnen teilt. Unsere Chefin steht voll hinter uns und möchte, dass wir über uns hinauswachsen und ermöglicht uns daher sehr vieles in Bezug auf Fortbildung(en). Es darf jeder seine Meinung äußern und dabei seinen Horizont erweitern (aber ja, manchmal wird man trotzdem einfach in Grund und Boden geredet 😉 ). Wenn man als Lehrerin nicht weiß, dass der eigenen Beruf wichtig ist, dann hat man schlicht seinen Beruf verfehlt (das trifft aber auf alle Sparten zu). Ein reger Austausch mit den Kolleginnen reflektiert beinahe täglich, wie die Arbeitsfortschritte sind, man ist nicht allein mit gewissen „Phasen“, findet immer ein offenes Ohr (wir sind auch ~25 Kolleg/innen) und tauscht Material und Ideen aus. Denn nur gemeinsam kann man aus dem Vollen schöpfen, wobei man ohnehin jeden Tag etwas dazulernt und (teilweise über sich hinaus-) wachsen muss. 😉
Also ich finde schon, dass wir ein ziemlich breites Spektrum einfach so im Alltag abdecken und gut meistern. 🙂