Externistenprüfung N°1 & a bisserl a Resümee

So… vorbei ist das Schuljahr. Geschafft die Prüfung… diese Prüfung, die einem doch das Leben manchmal (unnötig) schwer macht.

Versteht mich bitte richtig. Ich bin absolut dafür, dass man schon auch „überprüft“ wie denn der Bildungsfortschritt des Kindes ist. Aber die Art & Weise könnte noch mehr kindgerecht bzw. zum Kindeswohl sein.

Aber… von Anfang an:

Im November bekommt man als häuslich Unterrichtende*r einen Brief von der Bildungsdirektion, wo einem „genau“ erklärt wird, welche Pflichten man hat (immer mit dem Hinweis, dass ein Einstieg in den institutionellen Schulunterricht möglich ist – je früher, desto besser). Seit neuestem ist auch das Reflexionsgespräch zu Semester verpflichtend. Begründung… so schön pädagogisch: Um den Lernfortschritt des Kindes besser sichtbar zu machen. *lol* Dieses Reflexionsgespräch findet nämlich in der Sprengelschule° statt.

Bei uns war das so, dass die Direktorin dem Kind einen Zettel hinlegte und meinte: „Na, was machst du denn besonders gerne?“ Wohlgemerkt, Halbjahr 1. Klasse… ich kenne sehr wenige Kinder, die hier schon so frei von der Leber weg einfach etwas hinschreiben. 😉 Da mein Kind auf Druck eher verweigernd reagierte, war das Gespräch mau und letzten Endes kam nichts dabei raus. Zum Abschluss überreichten wir der Direktorin eine Zeichnung, in der Schokolade mitverpackt war. Als die Direktorin hier nachfragte, kam mein Kind ins Reden und wollte gerade erzählen, als die Direktorin das mit Ja/Nein-Fragen wieder abwürgte. 😀 So von wegen… überall hört man, man solle diese berühmt berüchtigten W-Fragen stellen. 😛

Gut, aber zurück zu November. Mit diesem Schreiben von der Bildungsdirektion kommt auch eine Liste von Schulen mit, wo man sich die passenden aussuchen muss. Dazu muss man dann auch schon wissen, in welcher Bildungsregion°° ma sich befindet.

Wir wählten die näheste Schule, ist doch einfach am praktischsten. 😉 Vorbildlich wie wir sind, übergab ich die geforderten Dokumente (lt. Schreiben der Bildungsdirektion) persönlich mit meinem Kind an die zuständige Direktorin. Diese war sehr freundlich, zeigte uns auch den vermutlichen Raum, wo die Prüfung stattfindet.

So weit so gut. Dann war das Schuljahresende in Sicht und ich wollte noch einmal persönlich in der Schule vorbeischauen. Einfach nur um mein Kind mit der Umgebung noch einmal vertraut zu machen, nachzufragen, ob alles passt und so halt. Da kam mir aber die Direktorin zuvor… mit einem Anruf. Mittlerweile hatte sie vermutlich die Fortbildung für Externistenprüfungen, denn nun war sie nicht mehr ganz so freundlich. Vielleicht lag es aber auch nur am Schulendestress… Kurz und knapp teilte sie mir mit, dass die e-card noch fehlte (Kopie) und der Einzahlungsbeleg dann einfach mitzubringen sei (jawohl, das Zeugnis kostet im häuslichen Unterricht 14,30€ 😉 ). Auf meine Nachfrage, wann wir denn noch einmal vorbeikommen könnten, meinte sie nur, dass das ja nicht mehr nötig sei. Ok. Mein Fehler, dass ich folgsam die Kopie der e-card mailte und nicht persönlich vorbeibrachte…

Dann kam der Tag. Prüfung war angesagt. Da wir zur Feier des Tages einen Ausflug machen wollten, packte ich die gesamte Family ein. Eine Stunde Prüfung werden wir wohl schaffen! 😉

Ha. Dachte ich. Überpünktlich – 15 Minuten zu früh – teilte uns die Direktorin etwas gehetzt mit, dass die Prüfung 2 Stunden°°° dauerte, mit kurzer Pause. Mir fiel meine Kinnlade wohl herunter, weil sie meinte weiter, dass wir ja eine kurze Pause machten. Ob wir denn eine Jause dabeihätten? Zum Glück! Weil eben der Ausflug danach geplant war… Mein Mann machte sich auf den Weg und holte die Jause aus dem Auto.

Noch bevor er wieder zurück war, saßen wir schon im Prüfungsraum. Ich bekam die Anweisung nichts zu sagen, zu deuten oder irgendwas. Also setzte ich mich brav etwas abseits, sodass ich im Augenwinkel aber hoffentlich noch gesehen wurde um meinem Kind die nötige Sicherheit vermitteln zu können.

Kaum hatte saßen mein Kind und ich, war auch schon die Prüferin da und die Tortur begann. Und ja, ich formuliere es tatsächlich negativ, weil ich es als unmenschlich empfand für einen Erstklässer! Mein Mann brachte die Jause, die Direktorin erklärte mir noch kurz, dass sie Protokoll führte. Da saß nun mein Kind, zwei fremden Erwachsenen gegenüber, ohne ausreichend Zeit sich akklimatisieren zu können – obwohl ich dieses Mal so wirklich richtig viel Wert auf die Zeit legte um meinem Kind eben genau das ermöglichen zu können. Vielleicht hätte ich da schon „Einspruch“ erheben sollen…

Singen wurde – in pädagogischer Fachsprache – verweigert. Rhythmusklatschen/-trommeln ebenso. Es folgten einige Fragen zum Namen, Geburtsdatum, Wohnort (Besonderheiten dort), Berufen, Werkzeuge, Jahreszeiten und Kennzeichen, Monate, Wasser und seine Besonderheiten – ich bin nur froh, dass wir tatsächlich Experimente zum Wasser machten, ist ja schließlich ein Rahmenlehrplan!°°°° Dann ging es schon weiter mit lesen, das liegt A.ª nur nicht so, auch wenn es geht. Aber der A4-Zettel halbvoll mit Text schreckte etwas ab. Da wurde die prüfende Lehrerin darauf aufmerksam und half. Sie setzte sich neben mein Kind und gemeinsam lasen sie den Text. Die dazugehörenden Fragen wurden mit Leichtigkeit beantwortet. Der weitere A4-Zettel mit lauter einzelnen Wörtern (2/3 voll diesmal) wurde mit Hilfestellungen gelesen. Auch das Herausfinden der Nomen und Zuordnen zu verschiedenen Oberbegriffen war keine so große Herausforderung. Die Bildgeschichte konnte in die richtige Reihenfolge gebracht werden, aber die mündliche Geschichte dazu fiel eher kurz & knackig aus, die Überschrift war nicht so wichtig und wurde weggelassen. Die vorgegeben Sätze dazu konnten mit Leichtigkeit zugeordnet werden. Die Satzstellung richtig zu stellen war auch kein Problem, aber als dieser Satz richtig geschrieben werden sollte, verzweifelte A. fast.

Zum Glück erkannten das auch die beiden Pädagoginnen und gönnten meinem Kind eine Pause. Kaum aus der Tür draußen, begann mein Schatz zu weinen: es war einfach zu viel. Ich war einfach nur froh dabei zu sein und auffangen, trösten, motivieren, Mut zusprechen zu können. Ein kleiner Snack, etwas Bewegung im Pausenhof und schon war die Pause wieder um – zu früh. 😉 Mein Kind kann die Uhr schon. 😛 Von wegen 10 Minuten…

Aber es ging weiter mit Mathematik. Da liegt eindeutig die Stärke von A. Voller Begeisterung rechnete er, erfand mit der Zahl 5 Rechnungen – wie gefordert: 5*100 und 5*1000000. Das Ergebnis wurde natürlich auch hingeschrieben… die angeödeten Blicke der Pädagoginnen konnte ich nur zu gut verstehen. Mein Kind tanzte aus der Reihe – was soll man damit anfangen? Kann es nicht einfach „normale“ Rechnungen hinschreiben? 😀 Mir ging es früher, als Systemerfüllerin, auch oft so. 🙈

Bei den Textaufgaben half die Lehrerin wieder beim Erlesen, aber dann war das Rechnen ein Klacks. Mein Kind konnte auch ganz genau erklären, wie es rechnete. Die Antwort in ganzen Sätzen war schwierig – seien wir uns ehrlich, nach einem ganzen Satz zu fragen ist unnatürlich! 😉 Auch die Raumlage (oben, unten, links, rechts) war klar. Farben sowieso. Als Abschluss musste noch etwas gestaltet werden: Blumenwiese. Die Blumen dazu ausschneiden, die Wiese malen und noch ein paar Tiere dazu. Da fiel der Direktorin auf, wie exakt mein Kind ausschneidet. 🙂 Das Bild war sonst eher minimalistisch.

Und dann probierten sie noch einmal etwas Musikalisches herauszukitzeln… ich wurde kurz aus der Klasse gebeten um ein Kinderlied vorzuschlagen. Hui… zum Glück hatte ich in der Pause kurz mit A. darüber gesprochen. „Bruder Jakob“ war die Idee… wir konnten schlecht sagen, dass vorrangig OK Go gehört wurde. 😀 Auf YouTube suchte die Lehrerin eine Version, wo mein Kind mit Begeisterung mitsingen könnte…. aber es war eher leise und zaghaft. „Meine Oma fährt im Hühnerstall Motorrad“ war ein weiterer Versuch… und dann entdeckte mein Kind übers SmartBoard ein Video. Und ich bin sehr dankbar, dass das der Abschluss war, denn so bleibt das Ganze wohl eher positiv/lustig in Erinnerung. 🙂

Als Abschluss wurde noch nachgefragt, ob es denn in der Schule so schlimm sei? Was soll mein Kind denn darauf sagen? 😀 Auf meine Frage, ob bestanden oder nicht, wurde nicht geantwortet. Beide Pädagoginnen – unabhängig voneinander – versicherten mir, dass sie sich da noch besprechen müssen. Noten sind mir ja eh egal… aber es wäre ein besseres Gefühl gewesen, wenn wir zumindest das gewusst hätten. 🙂 So müssen wir eben „blind“ fürs nächste Schuljahr die Anzeige schreiben… das Zeugnis bekommen wir ja auch erst in der letzten Schulwoche. Was etwas öd ist weil dann ein etwaiger Einspruch mühsam ist… in den Ferien erreicht man so selten wen. 😛 Positiv denken… wird schon passen. 🙂

Wirklich stolz bin ich auf mein Kind, dass es Ehrlichkeit so groß geschrieben hat. 🙂 Ganz offen wurden Fehler oder Unsicherheiten erkannt bzw. zugegeben. ❤ Trotz dieser unwohlwollenden Umgebung (120 Minuten mit 5 Minuten Pause dichtgepackt, nicht viel Zeit für eigenes Tempo, wenig bis kein Raum für eigene Überlegungen und Versuche, eher mehr Stress und Druck) hat sich A. wacker geschlagen. Da ist so viel Genialität und Potential vorhanden (ich sag ja immer Genie und Wahnsinn liegen nah beieinander), da gibt es so viel Wissen und so viele Fähigkeiten bzw. Fertigkeiten, welche nicht abgefragt werden können und teilweise nur ansatzweise erahnt werden können – und das nicht nur bei meinem Kind…

° Österreich ist eingeteilt in sogenannte Schulsprengel, die von Bundesland zu Bundesland aber immer etwas unterschiedlich gehandhabt werden. In der Steiermark ist es so, dass man – mit Ausnahme der Landeshauptstadt Graz – sich die Schule nicht aussuchen kann, außer es handelt sich um deine Privatschule. D.h. jeder Haushalt ist einer Schule zugewiesen und es bedeutet einigen Mehraufwand, von dort „raus“ zu kommen. 😉 Da man aber zur Schuleinschreibung (diese ist verpflichtend wahrzunehmen, s. § 6 des Schulpflichtgesetzes) eingeladen wird, weiß man grundsätzlich, wohin man muss.

°° Diese decken sich nicht (mehr) wirklich mit den Bezirken des Landes. Als Nichtkundiger muss man da schon etwas nachforschen um herauszufinden, wohin man gehört. Man könnte auch in der Sprengelschule nachfragen, oder eben die Bildungsdirektion kontaktieren. 🙂

°°° Hier folgt bei Zeiten noch eine kritische Auseinandersetzung mit den §§§, aber auf Grund der aktuellen Änderungen, muss ich mich erst auf den neuesten Stand bringen. 🙂

°°°° Zumindest habe ich bei der Anzeige zum häuslichen Unterricht angegeben, dass ich nach diesem unterrichte…

ª Um die Privatsphäre aller meiner Kinder zu schützen, verwende ich einfach Kürzel für jedes von ihnen. 😉 Kind A, Kind B usw.

Rede doch mit!